Archiv für Juli 2008

„Vielleicht hätte ich mitgemacht“

Nachfolgendes Gespräch wurde folgender Quellen entnommen und wird hiermit dokumentiert: http://einstellung.so36.net/de/ps/1001 sowie gipfelsoli.org.

Gespräch mit zwei Aktivisten, die sich teils in klandestinen Gruppen, teils in Antirepressionsstrukturen organisiert haben, über militante Politik, einschüchternde Repression und falsche Erwartungen.

Solidarität mit mg

Seit 2001 gibt es die militante gruppe, die den Lesern der Interim durch viele Beiträge zur Militanzdebatte und zahlreichen Anschlagserklärungen bekannt ist. Was verbindet ihr mit der militanten gruppe?

Tina: Die militante gruppe ist in dem Jahr entstanden, in dem es zu den militanten G8-Protesten und einem toten Demonstranten in Genua und dem Einsturz des World Trade Centers in New York kam. Ereignisse, die auch an unserer Politik nicht spurlos vorbeigegangen sind und Auswirkungen bis heute haben. Auch in Zeiten der Schwäche ohne Aussicht auf linke Mehrheiten ein Projekt wie die militante gruppe zu starten, verdient erst mal Anerkennung. Die über Jahre kontinuierliche Praxis der militanten gruppe hat deutlich gemacht: Die meinen es ernst. Und das ist ja heutzutage leider nicht alltäglich. In unseren Gesprächen und Diskussionen ist die militante gruppe immer mal wieder Thema gewesen. Wir scherzten: „Die militante gruppe hat die gleichen Ziele wie wir. Vielleicht begegnen wir ihnen einmal bei unseren nächtlichen Aktionen.” Einzelne aus meinem Umfeld haben sämtliche ihrer Texte gelesen und sich auch in die Militanzdebatten eingemischt. Wäre ich gefragt worden, ob ich bei ihnen mitmachen will, hätte ich vielleicht ja gesagt.

Tom: Aber es gab natürlich auch Fragen: Ob ein Brandsatz an den Türen des Sozialamts in Reinickendorf, der nur zu Brandflecken führt, das richtige Mittel sei. Oder ob das Sozialgericht, das einigen armen Schluckern zu ihrem Recht verhilft, das richtige Ziel sei. Aber auf den verschiedenen Ebenen ist bei der militanten gruppe auch eine Entwicklung bemerkbar gewesen. Einige Aktionen wie die Sabotage durch den Brandanschlag auf Bundeswehrjeeps in Strausberg anlässlich des Angriffskriegs gegen den Irak fand ich richtig gut.

(mehr…)